Pfalz E 1

Die Pfalz E 1
Der Scale-Jäger aus dem 1.Weltkrieg, von Kavan

Testbericht für die FMT 8/2002, von Michael E. Hougen

Die Pfalz Flugzeugwerke GmbH entwickelten die E1 etwa 1915, aus dem Typ H von Morane-Saulnier, welche zuvor (1913) als Lizenzbau in Speyer produziert wurde. Geringfügig geändert und mit synchronisiertem Maschinengewehr ausgerüstet, wurden rund 60 Exemplare produziert. Der Oberursel-Umlaufmotor UO.I mit 80 PS verlieh ihr eine Spitzengeschwindigkeit von 145 km/h. So wurde aus dem Photoaufklärer und Erkundungsflugzeug eines der ersten Eindecker-Jäger.

Die Firma Kavan vertreibt dieses Modell im Maßstab 1:5 in drei verschiedenen Ausführungen, als Bausatz, als Rohbaumodell und als Fast-Fertigmodell.

Vollgas

Der 46er 2-Takter dreht die 12*6“ Latte auf höchste Drehzahl hoch. Die Räder fangen an zu rollen, die Kufe am Heck schleift über das Gras. Schwacher Gegenwind, immer schneller wird die Pfalz, das Heck hebt sich. Noch ein paar Meter und brav erhebt sich der Oldtimer in sein Element. Nach einigen Metern steigen leite ich die erste Rechtskurve ein, träge schiebt sich das Modell etwas hängend hinein. Etwas ziehen – plötzlich wird das Modell unruhig auf die Querachse – da hat der Hersteller es mit dem Höhenruderausschlag aber gut gemeint. Also, sehr vorsichtig mit dem Höhenruderknüppel umgehen, genau dies hatte ich vor dem Start schon vermutet.
Der Gegenanflug – Siggi, mein Vereinkollege, schießt das erste Flugfoto. Jetzt erst einmal auf Höhe und getestet, was das Modell so hergibt. Rollen, Turns, Loops, gerissene Figuren – nein, dies alles ist natürlich nichts für so einen betagten Oldie. Der ist zum edlen Schönfliegen – ist zum Lustwandeln durch die Luft. Da überkommen einem trotz MG über der Motorhaube keine Jagdambitionen, auch wenn einige Vereinkollegen spöttelnd fragen ob es denn schießen kann.
Die Pfalz will ordentlich geflogen werden, schön mit Seite und Flächenverwindung in die Kurve legen – nicht zu steil, sonst muss mit kräftigen Stützen die Kurvenlage gehalten werden. Je nach Geschwindigkeit und Kurvenradius darf man schon mit Seite und Höhe, sowie quer-gegenhalten die Fluglage kontrollieren. Auch das Ausleiten aus der Kurve erfolgt mit Quer und Seite. Man merkt gleich, die Pfalz legt Wert auf einen guten Piloten.
Das Seitenruder mag klein erscheinen, es ist jedoch absolut ausreichend. Das Modell reagiert sehr gut auf dessen Ausschläge, man darf sie von „Anschlag zu Anschlag“ groß wählen. Auch die Flächenverwindung darf groß gewählt werden. Die Litzen habe ich an den äußersten Löchern des Servohorns eingehängt. Das Höhenruder braucht keine 20° auf- und abwärts bewegt werden, wie sich die Bauanleitung ausdrückt, 10° - 12° je Seite reichen.
Mit dem 46er 2-Takter geht’s nicht gerade senkrecht hoch, aber doch im guten Steigflug, gerade recht für diesen Oldie. Auf Höhe angekommen wird erst einmal der Schwerpunkt getestet. Anstechen mit 45° - aber nur kurz gehalten – die Pfalz soll nicht überlastet werden, schließlich halten nur die Spanndrähte das Modell am Himmel. Ganz brav fängt sich der Vogel und geht ohne größeres Gepumpe wieder in den Geradeausflug über. Der Schwerpunkt des Herstellers stimmt also, er sitzt genau mitten zwischen der 25–30%-Angabe des Herstellers.

Trudeln und Landung
So, nun schauen wir mal wie langsam es die Pfalz so schafft. Nun, es geht bis über ½ gezogen – und das bei diesem Riesenruderausschlag. Das Modell steht aber noch nicht in der Luft, es geht trotz der großen Flächentiefe noch vorwärts. Die Pfalz kommt ins Trudeln, es geht links rum – schnell alle Ruder losgelassen dann etwas nachziehen und Seite ein wenig rechts. Nach einer halben Umdrehung und etwa 20 – 30 Meter tiefer fliegt die Pfalz wieder, als ob nicht gewesen wäre, in Gegenrichtung.
Nach ein paar Runden habe ich ein Gefühl für die Kurven und das Modell im Griff, es macht Laune und alle Vereinskollegen genießen das herrliche Flugbild. Ein paar tiefere Vorbeiflüge mit ½-Gas und Siggi testet seine Fotokünste.
Die Landung darf schon mit Schleppgas weiträumig erfolgen, mit der Pfalz fliegt man in Bodennähe nicht so gerne enge und steile Kurven. Sie kommt auch nicht ganz so schnell runter wie ein gleich großer und verspannter Doppeldecker. Sanft setzt sie sich ins Gras, nach wenigen Metern steht sie. Seitenwind mag sie beim Rollen aber nicht so gerne. Da hebt die Pfalz gerne mal einen Flügel in den Wind. Wenn das passiert hat man schlechte Karten, denn dann kurvt die Pfalz ein und benötigt ein wenig mehr Platz zur Seite. Das Seitenruder und die Flächenverwindung wirken kaum noch, aber nach 10 –15 m steht sie ja schon.

Störung – oder was
Nach einigen schönen Flügen passierte es dann, in der schön eingekurvten Platzrunde in ca. 30 m Höhe - „Störung“ – plötzlich machte die Pfalz eine viertel Drehung. Mit der Flächenverwindung, Seite und Höhe war sie gerade noch zu halten. Es war, als ob bockige Scherwinde das Modell durch die Lüfte schaukeln würden. Nach einigen Augenblicken und in der relativ ruhigen Luft, war die Pfalz aber wieder steuerbar, sie reagierte nur nicht wie sonst. Nach 2 Landeanflügen konnte ich sie sauber auf die Piste setzen. Was war passiert? Offenbar hat das stark eingefederte linke Rad wegen Gummibruch der Achsfederung beim Start den äußeren linken Spanndraht vorgeschädigt. Während des Fluges ist dieser dann exakt an der Aughülse am Flügel abgerissen. Der Statiker sagt dazu „Kerbwirkung am Materialwechsel“. Hier sollte der Spanndraht verstärkt werden bzw. die Hülse gut entgratet sein, damit eben solches nicht passiert.
Etwas, was mir etwas bedenklich erscheint, ist die Art der Verspannungshalterung an der Radachse. Am Modell ist die Radachse in der Mitte durch V-Streben fixiert. Zusätzlich halten hier am Fußpunkt die Spanndrähte den Flügel in Position. Bei einseitigem Einfedern bzw. bei Belastung geben die V-Streben etwas nach, so dass in diesem Fall eine verzugfreie Halterung der Flügel durch die Spanndrähte nicht gegeben ist. Die Sache funktioniert zwar, jedoch kann, wie hier geschehen, ein stark einfederndes Rad den Spanndraht beschädigen.
Nun, es ist ja nichts passiert, der Spanndraht wird ersetzt und der Flugspaß kann weitergehen.

Inhaltsvoller Kasten
Sehr vorbildlich waren alle Einzelteile des Bausatzes gleich doppelt in Folie und Luftpolsterfolie verpackt. Wenn man mit breitem Tesafilm deren Ränder verklebt, kann man diese sogar als Flächenschutztaschen weiterverwenden.
Rumpf, Flächen und Leitwerke sind in der ARF-Version fertig gebaut, mit Textilfolie bespannt und sogar mit Malteser Kreuzen lackiert.

Beeindruckt hat mich die filigrane Bauweise des Rumpfes. Kleine Rundholzstäbe sind mit dünnen Sperrholzverstärkungen am Rumpf befestigt und dienen als Gitterkonstruktion der Rumpfaussteifung. Im Gegenlicht der Sonne erkennt man die Rumpf- und Flächenkonstruktion durch die Bespannung, dies wirkt, macht das Modell filigran und sieht superscale aus.
Höhen- und Seitenruder sind als Pendelleitwerk ausgebildet. Die Befestigungen, eine vorgefertigte und lackierte Metallkonstruktion, sind gleichzeitig als Scharniere ausgebildet. Sie wurden offenbar zum Ablängen der Anlenkseile vormontiert, denn man findet nicht nur die vorgebohrten Schraubenlöcher zur Befestigung. Ich sah an den Laschen der Höhenruderbefestigung und am Rumpf sogar kleine Lackabschürfungen, an denen zu erkennen war, wie das Ruder montiert war. Ich fand dies einfach Klasse, hier war absolut klar, dies musste einfach passen.
Das dünne Profil und die querruderlosen Flächen irritieren manchen Zuschauer auf dem Flugfeld. Wenn man aber an den Rudern spielt und die Flächenverwindung die Tragflächenenden heben und senken, kommt das große Aha-Erlebnis und allgemeines Erstaunen. Oft hörte ich die Frage: „Hält das denn auch so?“. Es hält - aber, wie eingangs schon erwähnt, man darf das Modell natürlich nicht überstrapazieren.
Die Spanndrähte und Anlenkseile sind bei dieser ARF-Version fix und fertig abgelängt und eingebaut, sie sind Kunststoffummantelt. Die Enden sind samt Hülsen und Gabelköpfen eingerollt und in kleinen Kunststoffbeuteln verpackt und festgeklammert. Leider wurde dabei der Draht für die äußere Querruderverwindung etwas beschädigt, weil offenbar eine Klammer beim Tackern die Ummantelung erwischt hat.
Die Pfalz wird hauptsächlich durch die Verspannung getragen. An der Tragflächenwurzel sind nur dünne Stahlstifte eingesetzt. Sie werden in die Messingröhrchen am Rumpf eingeschoben. Diese Röhrchen sind aber nicht eingeleimt, es kam vor, dass sie sich beim Einsetzen der Tragflächen herausgeschoben haben. Ich denke, man sollte sie der Festigkeit wegen besser einkleben.
Was mir nicht gefiel, war die Tatsache, dass eines der Tragflächenstähle beim Auspacken (sie waren zur Transportsicherung gut und weich umpolstert) aus der Tragfläche herausrutschte. Es war zweifellos zu erkennen, dass die Klebestelle in keiner Weise gereinigt worden war, es befand sich sogar noch Flugrost daran. Hier muss man nach der Qualitätskontrolle fragen. Auch in der Symmetrie unterschieden sich zwei Befestigungspunkte zwischen linkem und rechtem Flügel.
Einen passender Tank muss man noch ordern, dafür ist aber das Servobrett schon samt Aussparungen versehen und in Nutleisten eingeschoben.

Accessoires und Fazit
Das MG gehört ebenso zum Bausatz wie die Attrappe des Umlaufmotors, außerdem die verzierte Scale-Luftschraube. Diese ist aber nur für Ausstellungszwecke gedacht, sie ist stark unwuchtig und für die geplante Motorisierung natürlich viel zu groß. Damit sie auf der Motorwelle festgeschraubt werden kann musste sie allerdings Rückseitig ausgebohrt werden. Dazu wurden die vielen Schrauben entfernt, dann mit einem Forstnerbohrer die Senkung-, sowie Sacklöcher für die Schraubenköpfe eingebohrt. Zum Schluss wurden die Zierschrauben gekürzt und wieder eingebaut.
Ein Augenschmaus sind die vorgefertigten Anbauten des oberen Verspannungsturmes, der Flächenverwindungsbrücke unter dem Rumpf, das Heck mit dem Schleifsporn und das Hauptfahrwerk. Alle Teile waren fix und fertig, lackiert und bis auf das Hauptfahrwerk schon eingebaut, das spart eine ganze Menge Arbeit.
Mit der Pfalz E1 erwirbt man ein wunderschönes und edles Modell. Insbesondere an Flugtagen hebt sie sich aus der sonstigen Menge der Fluggeräte heraus, nicht durch Größe sondern durch ihre Art. Die Pfalz gefällt einfach und jeder wollte sie fliegen sehen, aber sie verlangt einen geschulten Piloten, der auch vorausschauend fliegen kann. Für alle Oldie-Fans – „Pfalz“ – s´ ist mal was anderes.

Technische Daten:

Modellname :                Pfalz E 1
Verwendungszweck :    Scale-Modell

Modelltyp :                  Holzbauweise - Fertigmodell

Hersteller :        K&W Model Airplanes Inc. Philippines


Abmessungen:
Spannweite :              1.820 mm
Länge :                       1.295 mm
Spannweite HLW :         560 mm
Tiefe der Tragfläche
an der Wurzel :              365 mm

Tragflächengröße :       56,9 dm²       

Flächenbelastung :    66,0 g/dm²   

Gewichte (in Gramm) :
Herstellerangabe :              3.100

Fluggewicht Testmodell :    3.755
Ruderfunktionen :
    Seite
    Höhe
    Querruder (Flächenverwindung)
    Motordrossel
        



Motor     :    ASP 46 (7,5 ccm), später Magnum 53 (8,5 ccm)
Propeller :     11 x 6"                           mit  12 x 6"


Das konnte gefallen :
Der ARF-Bausatz ist komplett vorgefertigt und wurde zum Einstellen der Seile bereits vormontiert. Alle Seile sind samt Gabelköpfen fix und fertig konfektioniert und eingebaut.
Ins Auge fallen die vielen liebevoll gearbeitete Details, sowie die Motorhaube aus Alu mit angenietetem Messingrahmen.
Die Quersteuerung erfolgt über Original ausgeführte Flächenverwindung. Das Fahrwerk und die Pylons sind vollständig fertiggestellt und lackiert, sogar die Umlenkrollen der Flächenverwindung sind montiert.
Die Bespannung aus Textilfolie läßt sich gut nachbügeln, die Malteserkreuze sind bereits auflackiert.
Die Ruder des Leitwerkes (alle in Pendelausführung) sind incl. Achse, Achshalterung und Ruderhörnern fertig gebaut.
Eine Scale-Ausstellungsluftschraube, die Sternmotorattrappe und das MG sind im Bausatz enthalten.
Die Einstellung des Schwerpunkt ist ohne Bleizugabe möglich.

Das konnte nicht gefallen :
Die EWD-Angabe zur Einstellung des Pendelhöhenruder fehlt (es sind ca. 3,5°).
Die Motorattrappe wurde durch den Transport beschädigt.
Einer der Tragflächen-Steckstäbe hat sich gelöst, er war angerostet und wurde ungereinigt eingeleimt.
Ein Spanndraht der Flächenverwindung ist im Flug gerissen.